Der Fensterhersteller Unilux hat drei Holz-Alu-Systeme für großflächige Verglasungen vorgestellt: FineLine, HS Integral und JumboLine. Die parallele Markteinführung signalisiert einen strategischen Vorstoß in ein Segment, das von Architektentrends zu raumhohen Verglasungen und minimalistischen Rahmenprofilen profitiert. Die drei Systeme unterscheiden sich in Konstruktion, Einsatzgebiet und Zielgruppe – gemeinsam soll das Portfolio die gesamte Bandbreite von filigran bis übergroß abdecken.

FineLine: Schmale Ansichtsbreiten für moderne Architektur

Das System FineLine setzt auf reduzierte Ansichtsbreiten und richtet sich an Objekte, bei denen die Rahmenkonstruktion möglichst zurückhaltend bleiben soll. Holz-Alu-Kombinationen ermöglichen hier den Spagat zwischen Wärmedämmung und schlanker Optik. Der Flügelrahmen bleibt innen aus Holz, während die Außenschale aus Aluminium Witterungsschutz und Langlebigkeit sichert. Solche Konstruktionen sind im gehobenen Wohnungsbau und bei Architekten gefragt, die großzügige Glasflächen ohne breite Rahmen umsetzen wollen.

Technisch ist FineLine als Dreifachverglasung ausgelegt. Die schmalen Profile erfordern präzise Statikberechnungen, da die Tragfähigkeit bei großen Formaten trotz reduzierter Materialstärke gegeben sein muss. Unilux positioniert das System im Premiumsegment, in dem Gestalterische Zurückhaltung und thermische Leistungsfähigkeit Hand in Hand gehen müssen.

HS Integral: Hebe-Schiebe-Tür mit integriertem Bodensystem

Das zweite System, HS Integral, ist eine Hebe-Schiebe-Konstruktion, die sich durch ein integriertes Bodenprofil auszeichnet. Klassische Hebe-Schiebe-Türen benötigen eine separate Bodenschwelle, die bei Sanierungen oder ebenengleichen Übergängen oft für Planungskonflikte sorgt. HS Integral integriert Laufschiene und Dichtungsebene in einem einheitlichen Bodenabschluss, der sich flächenbündig einbauen lässt.

Für Bauherren und Planer bedeutet das weniger Stolperfallen, bessere Barrierefreiheit und eine einfachere Detailplanung im Schwellenbereich. Die Holz-Alu-Ausführung kombiniert innen sichtbares Holz mit außenliegenden Aluminiumschalen, die den Witterungsschutz übernehmen. Solche Systeme werden vor allem bei großformatigen Terrassenabschlüssen oder verglasten Wintergärten eingesetzt, wo hohe Flügelgewichte und häufige Nutzung die Beschläge belasten.

HS Integral adressiert damit ein Segment, das in den vergangenen Jahren von wachsender Nachfrage nach barrierefreien Übergängen zwischen Innen- und Außenbereich geprägt ist. Das System konkurriert mit etablierten Schüco-Lösungen und den Hebe-Schiebe-Türen von Internorm, die beide ebenfalls auf flächenbündige Bodenlösungen setzen.

JumboLine: Überformate für Pfosten-Riegel-Anwendungen

JumboLine zielt auf Sonderbauten, bei denen Standardformate an ihre Grenzen stoßen. Das System erlaubt nach Herstellerangaben Flügelgrößen und Glasflächen, die über übliche Maße hinausgehen. Solche Überformate finden sich in repräsentativen Eingangsbereichen, Atriumverglasungen oder bei Pfosten-Riegel-Fassaden mit wenigen Unterbrechungen.

Technisch erfordern solche Systeme verstärkte Blendrahmen, statisch ausgelegte Beschlagpunkte und angepasste Verglasungskonzepte, um Durchbiegung und Wärmebrücken zu vermeiden. Die Holz-Alu-Bauweise bleibt auch bei diesen Formaten erhalten, wobei die Statik durch mehrfach verschraubte Alu-Profile und gegebenenfalls zusätzliche Verstärkungen im Holzkern gewährleistet wird.

Mit JumboLine adressiert Unilux Objektplaner und Fassadenbauer, die individuelle Lösungen für Sonderformate suchen. Der Markt für solche Systeme ist kleiner als jener für Standardfenster, die Margen sind aber höher, da jede Konstruktion projektbezogen ausgelegt werden muss. Wettbewerber wie Reynaers Aluminium oder Heroal haben ähnliche Systemlösungen im Portfolio, setzen dort allerdings auf reine Aluminium-Konstruktionen.

Positionierung im Wettbewerb: Holz-Alu gegen Aluminium-Monokonstruktionen

Unilux wählt mit der Holz-Alu-Kombination eine Materialmischung, die sich von reinen Aluminiumsystemen großer Fassadenhersteller absetzt. Holz bietet innen bessere Wärmedurchgangskoeffizienten ohne zusätzliche Dämmeinlagen und ein als wärmer wahrgenommenes Raumklima. Aluminium außen schützt vor Feuchtigkeit und UV-Strahlung, ohne dass zyklische Wartungsanstriche nötig sind.

Der Nachteil: Holz-Alu-Systeme sind in der Produktion aufwendiger und im Einkauf teurer als reine Kunststoff- oder Aluminiumprofile. Die Zielgruppe liegt daher im gehobenen Wohnungsbau, bei öffentlichen Bauten mit hohen gestalterischen Anforderungen und in der Objektarchitektur, wo Langlebigkeit und Nachhaltigkeit über den Preis gestellt werden.

Strategischer Vorstoß in wachsendes Marktsegment

Die gleichzeitige Präsentation von drei Systemen deutet darauf hin, dass Unilux das Großflächensegment nicht nur mit Einzellösungen, sondern mit einem durchgängigen Portfolio besetzen will. Architekten und Planer können so bei unterschiedlichen Projektanforderungen innerhalb derselben Systemfamilie bleiben, was Detailplanung, Ausschreibung und Gewährleistung vereinfacht.

Der Trend zu großen Glasflächen hält an: Moderne Wohn- und Bürobauten setzen auf maximale Tageslichtausbeute und visuelle Offenheit. Gleichzeitig verschärfen sich die energetischen Anforderungen – eine Kombination, die minimalistische Rahmenprofile mit hoher Dämmleistung verlangt. Unilux versucht, mit der Breite des Angebots diese Anforderungen abzudecken und sich gegenüber Herstellern zu behaupten, die entweder nur im Standardfenster- oder nur im Fassadensegment aktiv sind.

Ob die drei Systeme am Markt erfolgreich sein werden, hängt nicht nur von der technischen Leistung ab, sondern auch davon, wie gut Unilux Planungsbüros und Verarbeiter einbindet. Großflächensysteme erfordern detaillierte statische Nachweise, projektbezogene Bemusterung und eine enge Abstimmung mit Fassadenplanern – eine Herausforderung, die kleinere Fensterhersteller oft an spezialisierte Fassadenbauer abgeben.

Weitere Informationen zu den drei Systemen stellt Unilux auf der eigenen Website bereit. Für Planer und Verarbeiter, die sich mit großformatigen Verglasungen befassen, lohnt sich ein Blick auf verwandte Entwicklungen, etwa die Automatisierung in der Glasverarbeitung, die auch bei Überformaten zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Quellen