Der belgische Beschlaghersteller Sobinco hat einen firmeneigenen Campus eröffnet. Die Einrichtung soll Mitarbeiter schulen, Kunden trainieren und als Innovationszentrum dienen. Ob dahinter eine echte Bildungsoffensive steckt oder primär Employer Branding, lässt sich aus der Ankündigung nicht abschließend bewerten.

Sobinco produziert Dreh-Kipp-Beschläge, Sicherheitstechnik und Automatiklösungen für Türen und Fenster. Der neue Campus soll laut Unternehmen drei Funktionen erfüllen: Mitarbeiterfortbildung, Kundenschulungen und Produktentwicklung unter einem Dach. Konkrete Zahlen zur Investitionshöhe, Kapazität oder geplanten Teilnehmerzahlen fehlen bislang.

Die Branche kämpft seit Jahren mit Fachkräftemangel. Ausbildungsplätze in der Metallverarbeitung und im Beschläge-Segment bleiben unbesetzt, das Durchschnittsalter in Produktionsbetrieben steigt. Vor diesem Hintergrund wäre ein eigener Campus ein Signal – vorausgesetzt, er wird systematisch in die duale Ausbildung eingebunden und nicht nur für Produktschulungen genutzt.

Kritisch zu sehen ist die Kommunikation: Sobinco spricht von „Investition in Talente und Innovation", liefert aber keine messbaren Kennzahlen. Wie viele Auszubildende werden jährlich aufgenommen? Gibt es Kooperationen mit Berufsschulen oder Hochschulen? Welche Zertifizierungen bietet der Campus für externe Fachkräfte? Ohne diese Details bleibt die Eröffnung vor allem eines: ein PR-Event.

Für Fensterbauer und Verarbeiter ist entscheidend, ob der Campus tatsächlich praxisnahe Schulungen anbietet. Themen wie Montagestandards für Hebe-Schiebe-Türen, Einstellung komplexer Beschlagsysteme oder Fehlerdiagnose könnten den Mehrwert für Kunden konkretisieren. Bislang bleibt offen, ob und zu welchen Konditionen externe Betriebe Zugang erhalten.

Parallel dazu positioniert sich Sobinco als Arbeitgeber. In Zeiten verschärften Wettbewerbs um Talente kann ein Campus die Attraktivität für Bewerber steigern – besonders, wenn er moderne Arbeitsumgebungen und Weiterbildungsgarantien bietet. Ob das Konzept jedoch über symbolische Werksführungen hinausgeht, wird die Praxis zeigen müssen.

Im Vergleich zu deutschen Mitbewerbern wie Siegenia oder Roto Frank, die seit Jahren Akademieprogramme betreiben, kommt Sobinco spät. Beide Unternehmen bieten zertifizierte Seminare für Verarbeiter an und haben ihre Schulungskapazitäten in den letzten Jahren ausgebaut. Der neue Campus muss sich an diesen Standards messen lassen.

Fazit: Die Campus-Eröffnung ist ein Baustein im Kampf gegen den Fachkräftemangel – oder ein gut inszenierter Marketingschritt. Entscheidend wird sein, ob Sobinco die Einrichtung mit konkreten Ausbildungszahlen, Partnerschaften und einem offenen Zugang für die Branche unterfüttert. Bis dahin bleibt die Ankündigung ambitioniert, aber vage.

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